momac Group
Silicon Moers - Bericht über die momac Gruppe

Silicon Moers – RP Bericht über momac

Klassische Mechanik trifft digitale Robotik.

Bericht über die momac Gruppe in der Rheinischen Post vom 20.09.2019 im Rahmen der Serie „Silicon Moers“ von Peter Gottschlich, Foto: Norbert Prümen (nop)

Die Momac-Gruppe setzt mit digitaler Technologie Elektromotoren, Hydraulikzylinder und Getriebe instand. Außerdem baut sie komplette Sonder-Roboteranlagen.

Auf dem Weg von Irland nach Deutschland kommt es vor, dass Butterkartons auf Paletten verrutschen oder sich verformen. Die 25 Kilo schweren Kartons können von einem normalen Depalettierer (Gerät zur automatischen Entladung von Paletten) nicht gepackt werden. Aber eine speziell für diese Aufgabe entwickelte Roboteranlage erkennt sie in ihrer jeweiligen Lage und platziert sie auf ein Transportband.

Der von Momac entwickelte Greifer hat sechs Saugnäpfe und eine spezielle Sensorik. Nach der Entnahme des letzten Butterkartons setzt der gleiche Greifer auch die Europalette um.  „Diese Anwendung zu planen, zu konstruieren und zu programmieren, war schon eine Aufgabe“, sagen Andreas Schäfer und Christian Biesemann, Projektleiter bei der Momac-Gruppe. Mit weiteren Mitarbeitern haben sie die Roboteranlage bei Kerrygold im Gewerbegebiet Genend entwickelt, deren Kern eine Roboterkinematik des Systempartners ABB ist. „Sie läuft sehr zuverlässig“, sind die beiden zufrieden. „Das zeigt der tägliche Einsatz seit einigen Wochen. In Kürze wird der zweite Roboter geliefert.“

Die neue Roboteranlage steht symbolisch für die Moerser Momac-Gruppe. Sie ist erfolgreich in Bereichen, in denen klassische Mechanik und Elektronik mit digitaler Instandhaltung und Robotik zusammentreffen. In großen Industriebetrieben kommt zum Beispiel einÜberwachungssystem namens Metalscan zum Einsatz, das kontinuierlich kleinste Metallpartikel im Getriebeöl misst. „Durch die Überwachung der metallischen Partikel lassen sich beginnende Schäden an Lagern oder Verzahnung sehr früh erkennen“, berichtet Momac-Geschäftsführer Stefan Leske.

Der Diplom-Ingenieur für Maschinenbau baute die Unternehmensgruppe um, nachdem er im Jahr 1997 als Geschäftsführer in das Familienunternehmen eingetreten war. „Wir haben 1919 als Unternehmen in Moers angefangen, das Elektromotoren für den Bergbau repariert hat“, berichtet der Moerser. „Bis in die 90er Jahre haben wir 90 Prozent unseres Umsatzes mit dem Bergbau gemacht. Dann haben wir uns bewusst neu orientiert und breit aufgestellt. Das ist uns gut gelungen.“

Momac repariert zum Beispiel auch Generatoren von Windrädern in ganz Deutschland, oder Elektromotoren von Straßenbahnen im Rheinland und im Ruhrgebiet. Getriebe und Hydraulikzylinder kommen inzwischen aus fast allen Industriezweigen zur Instandsetzung nach Moers. Im Geschäftsbereich Robotics, der aus dem alten Bereich Schaltanlagenbau entstanden ist, baut Momac seit 2004 Roboteranlagen, wie bei Kerrygold. „Wir sind ein deutscher Spieler auf dem Markt, kein internationaler“, beschreibt Stefan Leske die Unternehmensgruppe mit 85 Mitarbeitern. „Nähe ist unsere Stärke.“

Sein Sohn Marc Leske ist dagegen ein „internationaler Spieler“. Der 23 Jahre alte Maschinenbau-Student ist Mitglied im Team Deutschlandachter. Zurzeit trainiert er bis zu 40 Stunden pro Woche, um sich mit der Ruder-Nationalmannschaft auf Olympia 2020 in Tokio vorzubereiten. Auch Leskes zweiter Sohn Kai studiert Maschinenbau. Ob sie später ins Unternehmen einsteigen? „Wenn sie wollen natürlich gerne, aber besser ist es, wenn beide nach ihrem Studium erst woanders tätig werden.“

Vier bis sechs Auszubildende beginnen jeden Herbst bei der Momac-Gruppe. „Wir brauchen junge und motivierte Mitarbeiter in unserer Unternehmensgruppe“, sagte Leske. Auf dem Markt lassen sich kaum qualifizierte Elektroniker, Industriemechaniker oder Mechatroniker finden. Erst recht nicht mit so breiten Kenntnissen wie wir sie uns wünschen.“

2018 war ein Auszubildender Jahrgangsbester bei den Elektronikern für Maschinen- und Antriebstechnik im Ausbildungsbezirk Düsseldorf. In diesem Jahr hat Fabian von Quistrop (20) als drittbester Industriemechaniker im IHK-Bezirk Niederrhein seine Gesellenprüfung abgelegt. „Unsere jungen Gesellen können stolz auf diese Leistung sein, und werden unbefristet übernommen“, sagt Stefan Leske.

In diesem Herbst beginnt erstmals ein Trainee-Student der Hochschule Niederrhein, Torben Hinrichsen, seine Duale Ausbildung bei Momac. „Wir sind bei der dualen Traineeausbildung nicht an die Ausbildungsinhalte der Lehrberufe gebunden“, erläutert der Geschäftsführer. „Die Trainee-Studenten sind zwei bis drei Tage pro Woche im Unternehmen tätig. So werden sie nach Abschluss des Studiums neben den gewonnenen Hochschulkenntnissen über eine mehrjährige operative Berufserfahrung verfügen und unser Unternehmen in weiten Teilen genau kennen.“

–> zum Artikel in der Onlineausgabe der Rheinischen Post